Boma`s - Deutsche Stationen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika

aktualisiert am 7.1.2019

Die folgenden Aufnahmen entstanden bei meiner Reise im September/Oktober 2018. Besucht wurden neben Daressalam die ehemaligen Stationen Mahenge, Kilosa, Handeni, Moshi, Mazinde, Muheza, Tanga, Pangani und Bagamoyo, das Biologisch-Landwirtschaftliche Institut Amani und weitere Bahnstationen an der alten Usambara-Bahn.

Reisebeschreibung und Bilder folgen demnächst!

Die Fotografien auf dieser Seite unterliegen dem Urheberrecht. Eine kommerzielle Nutzung ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors zulässig.

...


Den Abschluss meiner Reise bildete wieder einmal Bagamoyo. Neben Pangani und Kilwa war dieser Ort bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Endpunkt der zentralen Sklaven-Handelsrouten zur Ostküste und wichtigster Warenumschlagplatz für Sansibar. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (D.O.A.G.) hatte hier deshalb schon 1886 eine Station und ihr Zentraldepot angelegt. Es existierte bereits seit Oktober 1890 eine Postanstalt und es gab eine relativ große Anzahl an Ansichtskarten. Die Geschichte und der damalige bauliche Zustand von Bagamoyo sind, insbesondere durch Aufnahmen von Walter Dobbertin, vergleichsweise gut dokumentiert. Noch mehr historische Ansichtskarten-Motive von deutschen Stationen in Ostafrika gibt es nur von den beiden größeren Städten Daressalam und Tanga.

Herausragend an Bagamoyo ist aktuell die Substanz an historischen Gebäuden. Hier gibt es bis heute viel zu entdecken. Zu den relativ gut erhaltenen oder Instand gesetzten Anlagen gehören der deutsche Friedhof, das alte Fort - die spätere Polizeikaserne und das als erstes Europäer-Hospital genutzte alte arabische Teehaus. Ebenfalls an der damaligen Hauptstraße, der Kaiser-, Strand- bzw. Inder-Straße, liegen: die Ruine des alten Ratu-Hauses, das vor einigen Jahren im Rohbau wiedererrichtete alte deutsche Kaiserliche Bezirksamt, das ehemalige Wohnhaus eines deutschen Ansiedlers, die alten Magazine der D.O.A.G. und einige, nun als Hotels genutzte, alte arabische und indische Wohngebäude. Das ehemalige Kaiserliche Postamt ist heute Bestandteil eines Hotelkomplexes. Etwas abseits, ebenfalls aus deutscher Zeit stammend, liegen die Markthalle, eine alte Mosche, die Karawanserei und die 1895 aus Mitteln des Indischen Großkaufmanns Sewa Hadji errichtete und von einem deutschen Lehrer geleitete Schule mit Waisenhaus. Am Strand gibt es die noch teilweise erhaltene, nun auch wieder genutzte alte Zollanlage. In unmittelbarer Nähe derselben sind Fundamente eines damals auf Pfeilern errichteten typischen Fertigteilhauses der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft zu finden. Die meisten der Gebäude der vom Stadtzentrum fußläufig erreichbaren Missionsanlage, einschließlich der großen Kirche, stammen ebenfalls aus deutscher Zeit. 

 
links: die alte Boma der Aufstandszeit (1888-90), ein aus einem alten Araberhaus errichtetes Fort, hier auf einer Ansichtskarte von 1902, war 1895-96 von Grund auf neu ausgebaut und als Polizei-Boma eingerichtet worden; rechts: Aufnahme von 2016


 

Das unweit der alten Boma gelegene Ratu-Haus (links: Ansichtskarte um 1900) war ebenfalls ein altes Araberhaus, welches im Sommer 1890 zu einem Wohn- und Kasinogebäude und 1904-05 zu einem Wohnhaus mit zwei Wohnungen für Kommunalbeamte umgebaut worden war (rechts: Fotografie W. Dobbertin im Bundesarchiv Bild 105-DOA0396);

unten: Zustand 2018

 

  links: Blick von der Barasa des alten Ratu-Hauses Richtung Fort; rechts: die Hauptstraße vom Fort in die alte Stadt ist heute gepflastert

 
Das in dreijähriger Bauzeit errichtete Kaiserliche Bezirksamt (links: Ansichtskarte von 1913) war am 1.12.1897 bezogen worden.

 
Das im Dezember 1894 errichtete Denkmal für die Gefallenen der Wissmanntruppe auf dem Vorplatz zum Bezirksamt existiert heute nicht mehr (links: Ansichtskarte von 1913).

 
Das alte arabische Teehaus war 1890 als Lazarett für bis zu 15 Europäer und 40 Farbige eingerichtet worden (links: nicht gelaufene Wohlfahrtskarte der deutschen Kolonialkrieger-Spende).

 
In der im Oktober 1895 feierlich eröffneten Regierungsschule für Farbige, die auch heute noch genutzt wird, befand sich zugleich ein Waisenhaus (links: Ansichtskarte um 1913).

    
Blick in die Inder-Straße Richtung Nord-Ost (links: Ansichtskarte um 1913). Das historische Straßenbild zeigt links typische Inder-Läden, rechts das Haus des deutschen Ansiedlers und dahinter das dem Gouvernement gehörige, 1899 postseitig angemietete ehemalige Postgebäude an der Kreuzung Zoll- und Inder-Straße.

 
Die 1894-95 fertiggestellte, unmittelbar am Strand gelegene umfangreiche Zollanlage hatte geräumige Lagerstätten und zwei massive Gebäude, in denen sich die Abfertigungs- und Büroräume sowie zwei Wohnungen für verheiratete Zollbeamte befanden. Eines der beiden Gebäude (jetzt ohne Turm) wird noch heute genutzt, ebenso der Zollhof (links: Ansichtskarte um 1913).

 
Ruine des südwestlich gelegenen Zollverwaltungs- und Wohngebäudes und Fundamentpfeiler des ehemaligen D.O.A.G.-Hauses.