Boma`s - Deutsche Stationen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika

aktualisiert 28.1.2017

Auf meiner dritten „großen“ Boma-Expedition im September und Oktober 2016 fuhr ich diesmal von Daressalam über die ehemals deutschen Stationen Utete und Mohoro nach Kilwa Kivinje, weiter entlang der Küste über Lindi nach Mikindani, dann nach Westen über Newala, Masasi und Tunduru bis nach Songea. Weiter ging es nach Norden über Njombe und Makete nach Tukuyu (Neu-Langenburg) und von dort nach Süden über Masoko (Massoko) zum Lake Njassa bzw. Lake Malawi nach Matema. Hier machte ich einen Bootstrip nach Lumbila (Alt-Langenburg). Von Matema fuhr ich zurück über Tukuyu nach Iringa, von dort weiter über Lugalu nach Morogoro. Nächste Station war Lushoto (Wilhelmstal). Ich besuchte die alten Bahnstationen in Mombo und (Alt-) Korogwe. Die Küste erreichte ich dann wieder in Tanga und fuhr von dort über Pangani, Sadani und Bagamoyo zurück nach Daressalam.

Die folgenden farbigen Abbildungen sind Fotografien von meiner Reise. Die historischen Ansichten sind Postkartenmotive aus meiner Sammlung. Andere Bildquellen sind explizit benannt.

1. Tag: Daressalam - Utete - Mohoro - Kilwa
Nach nächtlicher Ankunft in Daressalam startete ich am 18.9.2016 gegen 4.00 Uhr in Richtung Süden, mit dabei mein mir seit vielen Jahren vertrauter tansanischer Fahrer Idefonce und der alte, aber runderneuerte Nissan Patrol, der mich ebenfalls schon viele tausend Kilometer durch Afrika begleitet hatte. Durch den Frühstart konnten wir das morgendliche Verkehrschaos in der Metropole umgehen. Unser Frühstück hatten wir nach etwa 150 Kilometern Asphaltstraße in Kibiti. Von hier weiterfahrend überquerten wir zunächst den Rufiji-River und gelangten über Nyamwage etwa 8.15 Uhr nach Utete.

 
links: ehemals deutsche Boma in Utete 2016, heute genutzt durch Büros der Distrikt-Verwaltung; rechts: Hofansicht des alten, ehemals deutschen Bezirksamts in Utete 2016

Die deutsche Boma hier war erst 1912 errichtet worden. Zum März 1913 erfolgte dann die Verlegung des Bezirksamts Rufiyi von Mohoro in die neue Boma nach Utete. Das Gebäude war im Jahr 2016 in einem guten Zustand und scheinbar sämtliche Räume wurden noch als Verwaltungsbüros genutzt. Durch den glücklichen Umstand meiner Ankunft an einem Sonntagmorgen war das Gebäude weitgehend verlassen, aber offen. Lediglich in einem vom Innenhof zugänglichen Büro saßen ein paar zivil gekleidete Polizisten, die uns erlaubten, uns umzusehen. Offenkundig entsprach das Gebäude auch jetzt noch maßgeblich der baulichen Beschreibung aus dem Jahr 1913.
Im Anschluss an eine ausführliche Besichtigung und Umrundung der Boma erkundeten wir noch die Umgebung, die durch ihre Nähe zum Rufiji-River einen freundlichen und trotz anhaltender Trockenzeit sehr fruchtbaren Eindruck bei uns hinterließ.


oben: heutige Rückseite der Boma, früher Haupteingang

Nach Weiterfahrt, zunächst zurück über Nyamwage, erreichten wir gegen 11.30 Uhr Mohoro, den vormaligen Standort des deutschen Bezirksamts. Trotz einiger Gespräche mit älteren Herren des Ortes konnten wir hier leider keine Spuren aus der Zeit vor 1918 entdecken. Das war mir schon im Jahr 2009 nicht gelungen und auch die nun erstmals mitgeführten alten Fotografien halfen nicht weiter.

So ging es nach erfolgloser Suche weiter über Somanga nach Kilwa. Kurz vor Erreichen des Ortes Kilwa Kivinje überquert die Straße hier den Singino-Hügel. Von hier speiste schon zu deutscher Zeit eine Quelle die Wasserleitungen nach Kilwa Kivinje. An schöner Aussicht zur Küste und auf den Ort errichtete hier der Singino-Verein ein Vereinshaus und ein weithin sichtbares großes Bismarck-Denkmal. Von Vereinshaus und Denkmal existieren alte Postkartenansichten. Nur mithilfe eines alten Herrn gelang es uns jetzt, den Standort ausfindig zu machen. Dazu mussten wir der Hauptstraße vom Abzweig nach Kilwa Kivinje weiter Richtung Kilwa Masoko folgen und uns dann nach links in den Busch schlagen. Völlig zugewachsen, und deshalb nur aus wenigen Metern Abstand überhaupt zu entdecken, war der turmartige, mehrere Meter hohe, massiv gemauerte Sockel des Denkmals im September 2016 noch gut erhalten. Nur die Bismarck-Plakette und die krönende Feuerschale fehlten. Vom Vereinshaus standen jetzt noch drei Säulen, die früher wahrscheinlich die Bedachung der Barasa, der Terrasse, stützten. Eine weitere Säule lag im Gras.
  
links: Singino-Vereinshaus und Bismarck-Denkmal mit Feuerschale auf einer Ansichtskarte von 1903; rechts: Haus des Singino-Vereins

                  
links: Sockel des Bismarck-Denkmals 2016; rechts: Säulen des Vereinshauses

    
links: Ausblick vom Singinohügel auf die Ortschaft Kivinje; rechts: Aussicht 2016

Auch wenn sich dieser schön gelegene Platz prinzipiell wieder gut als Aussichtspunkt oder Ausflugsziel herrichten ließe, ist damit nicht zu rechnen. Das weitläufige Gelände bis zur Hauptstraße soll erst vor kurzer Zeit von Bewohnern geräumt und in den Besitz des Militärs übergegangen sein. Es wird damit wohl nun kurzfristig zum Sperrgebiet.


Nach Rückkehr zur Hauptstraße unternahmen wir noch einen Abstecher in das von mir schon mehrmals besuchte Kilwa Kivinje. Positiv überrascht wurde ich davon, dass das im Jahr 2009 in der Front und am Dach schon großflächig eingebrochene Hauptgebäude der alten Boma jetzt wieder Instand gesetzt wurde. Das war nach örtlicher Auskunft auf die private Initiative eines ehemaligen Parlamentariers zurückzuführen. Hier darf man weiter gespannt sein, was sich daraus noch entwickelt.

  
links: alte Boma in Kilwa Kivinje, das ehemals deutsche Bezirksamt Kilwa im Jahr 2016;
rechts: Rückseite, hier befand sich früher ein umwallter Hof


Überrascht war ich auch, dass der inzwischen vom Ausbau des Ortes eingeholte, früher einmal relativ weit vom Ortskern gelegene, und mit nur noch wenigen Gräbern belegte Europäer-Friedhof noch nicht abgeräumt und zu Bauland gemacht worden war. Dieser in Ufernähe gelegene Ruheplatz befand sich jetzt noch im gleichen, bedauernswerten Zustand, wie sieben Jahre zuvor.

Gegen 17.00 Uhr erreichten wir nach über 400 Kilometern Tagesleistung Kilwa Masoko und ich fand Unterkunft im mir bereits gut bekannten Kilwa Seaview Ressort der Familie Heep, einer der wenigen Unterkünfte, die das Hotelsterben in Kilwa bisher noch überlebt haben.


2. Tag: Kilwa - Lindi - Mikindani
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Bad im Indischen Ozean trat ich am nächsten Morgen gegen 11.00 Uhr die Weiterfahrt nach Lindi an. Den alten Stationsort erreichte ich nach unfreiwilligem, einstündigen Aufenthalt in einer Polizeikontrolle gegen 14.30 Uhr. Besser vorbereitet als 15 Jahre zuvor, ausgestattet mit historischen Ortsplänen und Fotografien, gelang es mir, mithilfe eines Beamten, der nach eigener Auskunft früher selbst einmal ein Büro in der ehemaligen deutschen Boma hatte, einige historische Gebäude aufzusuchen und zu fotografieren.


oben: alte Ansichtskarte von 1909 zeigt links die Boma, rechts die Turmruine des alten Araber-Forts

    
links: Ruine des letzten erhaltenen Gebäudeteils der Boma vom Strand aus gesehen; rechts: Turm-Ruine im Jahr 2016

 
links: Rückansicht der Boma-Ruine; rechts: alte Kasernen-Mauer in unmittelbarer Nähe der Boma

 
links: Strandmauer und Aufgang zum alten D.O.A.G.-Grundstück; rechts: die Fundament-Pfeiler des ehemaligen D.O.A.G.-Geschäftshauses

 
links: ehemaliger Aufgang zum D.O.A.G.-Haus von der Landseite, im Hintergrund die Bucht von Lindi; rechts: der alte D.O.A.G.-Brunnen, jetzt mit Elektro-Pumpe

 
oben und unten: typische alte Beamten-Wohnhäuser am Strand von Lindi

 

Um 17.00 Uhr verließen wir Lindi und erreichten das Hotel „Old Boma“ in Mikindani nach etwas mehr als 300 Tageskilometern um 18.45 Uhr, kurz nach Einbruch der Dunkelheit.

In der im Jahr 1895 fertiggestellten „neuen“ Boma gab es jetzt acht Gästezimmer, sieben Suiten bzw. Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Das Gebäude war bis zum Jahr 2001 durch private Initiative eines Engländers im Rahmen einer Stiftung (TRADE AID) restauriert worden und befand sich auch nach 15 Jahren noch in einem hervorragenden Zustand. Es war jetzt ein Ausbildungshotel. Die Angestellten (fast alle Azubis) waren deshalb noch etwas unsicher aber ausgesprochen serviceorientiert. Zwischen den Mahlzeiten fand, unmittelbar neben der Boma in der ehemaligen Schauri-Halle, Unterricht statt. Die „Old Boma“ Mikindani ist die beste, wenn auch teuerste Unterkunft im Ort. Durch die Originalität und den Charme des historischen Gebäudes ist das Hotel aber unbedingt empfehlenswert. Ich übernachtete diesmal im Turmzimmer, welches bei meinem ersten Besuch 2001 noch nicht hergerichtet war. Auf zwei Etagen, bot nun der ehemalige Aufgang zum Turm eine einmalige Sicht auf Mikindani und die Boma-Anlage. Im unteren Bereich befand sich ein Einzelbett und ein kleiner Schreibtisch, darüber die Dusche und wiederum darüber eine Art Luke zum Dach. Der Austritt auf den Turm war allerdings exklusiv für die Nutzer dieses Zimmers möglich.

 
Ansichtskarten um 1900: links: das neue Bezirksamt von Mikindani, rechts: die aus dem alten Fort entstandene neue Zollanlage - im Hintergrund das neue Bezirksamt

 
oben: Ehemalige deutsche Boma in Mikindani 2016, heute Ausbildungs-Hotel, links: Aufgang zur Boma; rechts: Rückseite mit zentraler Bastion

 
links: Blick vom Turm auf die Bucht von Mikindani; rechts: alter Ortskern mit Blick zur Boma, links im Bild die alte Markthalle, rechts im Bild das neue Livingstone-Museum

Der Neubau der Boma auf einem Bergplateau etwa 25 Meter über der Stadt und der Umzug der deutschen Beamten im Jahr 1895 war notwendig gewesen, da das alte, noch aus der Kommissariats-Zeit stammende Fort unmittelbar am Ufer der Bucht geräumt werden musste. Durch Überschwemmungen und Versumpfung waren die Wohnverhältnisse für die Beamten dort sehr ungesund. Die Decken der oberen Räume der alten Anlage waren morsch und faul und stürzten ein. Das alte Fort wurde dann zum Zollgebäude umgebaut und die unteren Räume dienten nun mit neuer Bedachung zur Unterbringung der Zollgüter.

3. Tag: Mikindani - Newala - Masasi
Am dritten Tag besichtigte ich morgens die Ruine der alten deutschen Fort- und späteren Zollanlage, bei der gerade Aufräum- und Sicherungsarbeiten stattfanden. In einem Gespräch mit dem lokalen Projektmanager von TRADE AID erfuhr ich, dass das noch herumliegende alte Korallengestein vor Diebstahl und Verwendung für private Bauaktivitäten gerettet werden sollte. Dazu sollten die Steine in der Nähe der Boma aufgehäuft und so für künftige Renovierungen bewahrt werden. Die Ruine der alten Zollanlage sollte als solche bewahrt und neben der Boma und einem Livingstone-Museum zu einem weiteren touristischen, historischen Anziehungspunkt entwickelt werden.

 
oben: Ruine des alten Forts und der späteren Zollanlage von Mikindani

 
oben: Innenansichten der Fort- und Zoll-Ruine in Mikindani

Um 11.45 Uhr traten wir über Mtwara die Weiterfahrt nach Newala an, welches wir gegen 15.30 Uhr erreichten. Große Teile dieser Strecke waren 2016 noch nicht asphaltiert. So bescherte uns eine Reifenpanne und der notwendige Radwechsel unterwegs eine etwa 45-minütige Zwangspause. Das Landschaftsbild auf der Strecke nach Newala war relativ eintönig. Fast die gesamte Strecke säumten Cashewnuss-Bäume den Weg und erlaubten nur selten eine Fernsicht.

Wie mir andere Besucher von Newala berichtet hatten, war die alte deutsche Boma dort trotz Einsturzgefahr noch bis vor kurzem in Teilen als Büro genutzt worden. Erst in diesem Jahr waren am Ort neue Unterkünfte und Büros für Polizei und Verwaltungsbeamte errichtet und das alte Gebäude vollständig aufgegeben worden. So hatte ich das Glück, mich hier zunächst völlig unbehelligt umzusehen zu können und zu fotografieren. Erst danach wurde ich durch einen Beamten freundlich aber bestimmt in ein in unmittelbarer Nähe neu errichtetes Bürogebäude gebeten, um mich dort zu erklären. In einem längeren Gespräch mit einem Parlamentarier wurde ich gebeten, mich doch in Deutschland für Spendengelder zur Rettung und zum Ausbau der Boma als Regionalmuseum einzusetzen. Eine erste Kostenschätzung hatte wohl einen Finanzbedarf von ca. 350 TEUR ergeben. Er erzählte mir zudem vom erfolglosen Bestreben, die deutsche Botschaft als Unterstützer zu gewinnen. Man hatte dies angeblich mit der Begründung abgelehnt, dass es einfach zu viele deutsche Bomas in Tansania gebe und man diese nicht alle retten könne.

 
links: ortsseitiger Zugang zur ehemals deutschen Boma in Newala 2016;
rechts: Rückseite der alten deutschen Boma in Newala 2016

 
oben: Hofansichten der Boma Newala

Durch die Länge dieses Gesprächs konnten wir die notwendig gewordene Reparatur von zwei Reifen erst um 17.00 Uhr in Angriff nehmen und die Weiterfahrt nach Masasi erst gegen 18.30 Uhr bei schon einbrechender Dunkelheit antreten. Auf schmaler, schlechter Straße ging es dann in knapp zweistündiger Fahrt immer bergab vom Hochplateau bis nach Masasi. Wir hatten großes Glück, dass zu dieser Uhrzeit keine LKW mehr unterwegs waren, da ein Überholen auf weiten Streckenabschnitten nicht möglich gewesen wäre. Eine Fahrt in umgekehrter Richtung, quasi das Erklettern des Plateaus, kann ich nach dieser Erfahrung nicht empfehlen. Aufgrund der Dunkelheit konnten wir die uns umgebende landschaftliche Schönheit diesmal leider nur erahnen und erreichten nach ca. 240 Tageskilometern Masasi gegen 20.15 Uhr.

4. Tag: Masasi - Tunduru - Songea
Nach Übernachtung in Masasi und Weiterfahrt über Tunduru gelangten wir am vierten Tag auf guter Straße, in ca. 10 Stunden, noch vor Einbruch der Dunkelheit, in das knapp 500 Autokilometer entfernte Songea. Auf eine Spurensuche in den ehemaligen deutschen Nebenstellen Masasi und Tunduru hatte ich bewusst verzichtet, da mir davon keinerlei Bild- oder Kartenmaterial vorlag.
An die deutsche Herrschaft in Songea erinnert heute nur noch weniges aus dieser Zeit. So konnte ich trotz altem deutschen Orts-Plan und einer im Wesentlichen noch erhaltenen Straßenanlage keine alten Gebäude sicher identifizieren. Es gibt zwar noch viele Gebäude mit wahrscheinlich kolonialer Geschichte, aber keine Hinweise auf die Zeit vor 1918. Auf dem Gelände der ehemaligen deutschen Boma befinden sich heute (auch ältere) Gebäude der Distriktverwaltung, das Gericht und dahinter ein Gefängnis. Die Bauten weisen aber keine Ähnlichkeit mit älteren Bildansichten aus deutscher Zeit auf. Dagegen werden die Erinnerungen an den Maji-Maji-Aufstand gegen die Deutschen in Songea als nationales Erbe gut gepflegt. Highlights sind hier sicher die sehr große Gedenkstätte am Ort der Gräber für die hingerichteten lokalen Führer des Aufstandes und das Denkmal am ehemaligen Richtplatz mit dem Galgen und der jeweils namentlichen Würdigung der Todesopfer. Mit einer sehr aufgeschlossenen Führerin der Gedenkstätte fanden wir unweit des Richtplatzes, auf einem Privatgelände, die Überreste des alten Europäer-Friedhofs, allerdings ohne deutsche Grabinschriften.

 
oben: für tansanische Verhältnisse monumentale Gedenkstätte für die von den Deutschen hingerichteten Führer der Maji-Maji-Bewegung in der Region Songea; links: Zugang zur Gedenkstätte (Bildmitte: mein Fahrer Idefonce); rechts: Museumsgebäude

 
links: ehemaliger Zugang zum Europäer-Friedhof im Jahr 2016; rechts: nur noch wenige überwucherte Gräber sind als solche zu identifizieren

 
links: am ehemaligen Richtplatz erinnert ein Galgen-Nachbau an die Hinrichtung der Maji-Maji-Führer; rechts: auf einer zentralen Gedenktafel sind Titel und Namen der Opfer aufgeführt

5. Tag: Songea - Njombe
Nach Abschluss des Rundgangs fuhren wir am fünften Tag gegen 13.30 Uhr weiter nach Norden Richtung Njombe. Diese Fahrt war landschaftlich ausgesprochen reizvoll. Fruchtbare Plantagen, viel grün, überall sichtbare Aufforstungen von Nadelholzwäldern und aktive Holzwirtschaft, gefördert durch ein Mischklima und die vielen Missionsbetriebe der Gegend, bringen den Bewohnern der Umgebung von Njombe einen überdurchschnittlichen Wohlstand und machen diese Region zu einer der Kornkammern des Landes. Wir erreichten Njombe nach zuletzt gebirgiger Fahrt und etwa 250 Tageskilometern gegen 18.00 Uhr. Nachts fielen die Temperaturen hier auf deutlich unter 10 Grad.

6. Tag: Njombe - Makete - Tukuyu (Neu-Langenburg)
Der sechste Tag führte uns von Njombe über Makete nach Tukuyu. Trotz längerem Aufenthalt in Makete, Nachfrage bei der Stadtverwaltung, Besuch beim Ortsältesten und Verwendung einiger alter Fotos konnten wir hier keine Spuren der alten Boma mehr entdecken. Der Ort liegt umgeben von und zum Teil auf vielen kleinen Hügeln, sodass wir den alten Boma-Hügel ohne einen alten Orts-Plan leider nicht ausfindig machen konnten. Zum geographisch nur etwa 50 Kilometer entfernten Tukuyu konnten wir danach keine direkte Straßenverbindung finden, sodass wir nur auf einem weiten Umweg nördlich durch den Kitulo Nationalpark über Isyonje, Isongole und Kiwira zum Ziel gelangten. Tukuyu erreichten wir so nach ca. 280 Autokilometern, auf zum großen Teil schlechter Straße, und nach mehr als 10 Stunden Fahrt erst am späten Abend.

7. Tag: Tukuyu - Masoko - Matema
Das in unmittelbarer Nähe zur alten Boma Neu-Langenburg gelegene Landmark Hotel erlaubte es uns, am Vormittag des siebten Tages das alte Bezirksamt zu Fuß zu erkunden.
Die Büros (u.a. Gericht und Schulverwaltung) wurden am Samstag nicht genutzt. Wahrscheinlich nur deshalb gelang es uns auch, die Wachfrau zu überreden, uns Zutritt zu der Anlage zu gewähren. Die Boma-Anlage entspricht in ihrem Grundriss noch heute den alten deutschen Plänen. Von der durch die Lage im Erdbeben-Gebiet und deshalb auch zu deutscher Zeit immer wieder von Zerstörungen betroffenen ehemals deutschen Anlage, sind heute noch das Bezirksamtsgebäude, die flankierenden Bastionen, Teile der Befestigungsmauern, der alte Zugang zum Boma-Hof und Teile des alten Hospitals an der Südost-Ecke erhalten.

 
links: das an der Westseite der ehemals deutschen Boma in Tukuyu (damals Neu-Langenburg) gelegene Bezirksamtsgebäude im Jahr 2016 (heute College-Verwaltung);
rechts: an der Ostfront der alten Boma Neu-Langenburg, wahrscheinlich hier war nach dem Erdbeben im Dezember 1910 ein zweistöckiges Europäer-Wohnhaus errichtet worden, das heute aber nicht mehr existiert


Um 11.00 Uhr ging es dann weiter in Richtung Lake Nyasa, zunächst bis zur ehemaligen deutschen Garnison Masoko am Masoko Crater Lake. Diese erreichten wir nach etwa einer Stunde Fahrzeit. Von der alten Garnison standen jetzt noch zwei größere Gebäude und die Grundmauern eines dritten. Im noch nicht eingestürzten Teil des einen Gebäudes befanden sich einige wenige verschossene Büros. In den wenigen noch verschlussfähigen und nur noch zum Teil überdachten Räumen des anderen Gebäudes wurden nachts offensichtlich Ziegen und Hühner eingesperrt. Die Ruinen liegen heute auf dem weitläufigen Gelände einer zuvor (wahrscheinlich bis zum Einsturz) als Hospital genutzten Anlage. Einige neuere, kleine, direkt an der Straße gelegene Unterkunftshäuser werden noch als Poliklinik, Apotheke und Wohnräume genutzt. In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Boma (ca. 50 Meter entfernt) steht ein neueres Verwaltungsgebäude für die Lokalverwaltung, das an diesem Samstag jedoch geschlossen war. Anschließend besuchten wir noch eine Wasch- und Badestelle am landschaftlich eindrucksvollen Kratersee, die derzeit auch durch zahlreiche Einheimische benutzt wurde.


oben: alte deutsche Boma Masoko (Massoko) aus Richtung des Kratersees 2016

 
links: Hofansicht des seeseitigen Gebäudes der Boma Masoko (ehemalige Garnison) 2016;
rechts: Detail des Militärposten (Boma) Masoko 2016


 
links: Weiteres Gebäude der Garnison (Boma) Masoko 2016;
rechts: Schauri-Raum in der Boma Masoko 2016

Von hier traten wir gegen 15.00 Uhr die Weiterfahrt nach Matema Beach am Lake Nyasa an, welches wir nach 90-minütiger Pause und umfangreichen, die Fahrt sehr behindernden Straßenbaumaßnahmen nach etwa 90 Tageskilometern erst gegen 18.00 Uhr erreichten. In der sonst sehr zu empfehlenden Blue Canoe Lodge unter deutscher Leitung war ich dann für zwei Nächte leider der einzige Gast.

8. Tag: Matema - Lumbila (Lumbira, Alt-Langenburg) - Matema
Für den achten Tag meiner Reise mietete ich mir ein Motorboot mit Besatzung, um das mit dem Auto mangels Straße von hier nicht erreichbare Lumbila (auch Lumbira, ehemalige deutsche Station Alt-Langenburg) anzusteuern.
Hier konnte ich mich mit Hilfe eines alten Plans wieder einmal auf Spurensuche begeben. Leider bestätigte sich die Vermutung und Angabe anderer Reisender, dass die alten Stationsbauten heute vollständig unter Wasser liegen. Die Lage der alten Halbinsel mit der Station lässt sich heute durch die Draufsicht bei Google Earth noch sehr gut nachvollziehen. Nach örtlicher Auskunft gab es mehrfach einen Anstieg des Wasserspiegels des Sees, zuletzt in den 1960er Jahren. Deshalb wurden auch Grabsteine während der Kolonialzeit verstorbener Deutscher mindestens zweimal höher verlegt. Vier davon waren jetzt in der Nähe der Missionskirche auf dem dort gelegenen kleinen Friedhof aufgestellt.

 
links: heutige Anlegestelle von Lumbila; rechts: Blick auf die "versunkene" Landzunge, auf der sich früher die Station Langenburg befunden hat

 
oben: die zweifach verlegten, jetzt auf dem Missionsfriedhof befindlichen Grabsteine von Walther Goetze, Dr. Wilhelm Meyer, F.W. Gottschalk und Martin Schmaus (v.l.n.r.)

Ich persönlich glaube eher an ein Absinken bzw. Abrutschen des Ufers bei Lumbila, als an einen Wasseranstieg, da bei einem allgemeinen Anstieg des Seespiegels auch Matema und weitere am See gelegene Missionsstationen (z.B. Ikombe) hätten verschwinden müssen. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Durch seine Abgeschiedenheit ist Lumbila heute ein sehr einsamer Ort. Nach meiner Rückkehr zum Strand von Matema nahm ich ein Bad im gefühlt 30 Grad warmen Seewasser und genoss noch einmal die Ruhe und Abgeschiedenheit am See.

 
links: komfortable Strandhütten der Blue Canoe Lodge; rechts: Sonnenaufgang am Lake Nyasa

9. Tag: Matema - Iringa
Am neunten Tag um 9.00 Uhr brachen wir nach Iringa auf. Dazu wählten wir eine längere, dafür aber weitgehend asphaltierte Strecke über Kyela und Ibanda nach Tukuyu, welches wir gegen 11.30 Uhr erreichten. Um 13.00 Uhr passierten wir Mbeya. Zwischen Mbeya und Makambako gab es zahlreiche Baustellen. Bei nur etwa 45 Pause erreichten wir Iringa nach etwas mehr als 500 Autokilometern erst gegen 20.00 Uhr.

10. Tag: Iringa - Morogoro
Unsere Besichtigungstour am 10.Tag begannen wir in der „Iringa Boma“, ein unter Supervision eines deutschen Architekten rekonstruiertes Gebäude, das zu englischer Zeit das Büro des Distriktkommissars beherbergte und somit zur Boma wurde. Aufgrund mündlicher Überlieferungen vermutet man vor Ort, dass es sich um das zu deutscher Zeit errichtete Eingeborenen- bzw. Militärhospital handelt oder dass dieses Gebäude zumindest auf dessen Grundmauern neu errichtet wurde. Im Gebäude befinden sich jetzt ein Regionalmuseum, Internet-Café und Souvenir-Shop.
 

 

Spuren deutscher Geschichte in Iringa findet man u.a. im nunmehr nur noch im Untergeschoss als Magazin genutzten Hauptgebäude der alten deutschen Boma, beim Askari-Gefallenen-Denkmal, bei der unweit gelegenen, ursprünglich kreuzförmig angelegten Markthalle, auf dem durch ein leider schon beschädigtes Denkmal markierten ehemaligen Richtplatz und bei den deutschen Gräbern auf dem Commonwealth-Friedhof.

 
links: Ehemals deutsche Militärstation Iringa, erhaltenes Gebäude 2016; rechts: Ehemalige deutsche Boma Iringa 2016, nur noch das Untergeschoss als Magazin genutzt

 
oben: Askari-Gefallenen-Denkmal vor der alten Militärstation

 
oben: am ehemaligen Richtplatz, die Umzäunung im September 2016 leider schon zerstört

 
oben: die alte kreuzförmige Markthalle in Iringa 2016

 
oben: zur Erinnerung an die im 1.Weltkrieg gefallen Deutschen in Iringa

Zur Weiterfahrt nach dem etwa 300 Kilometer entfernten Morogoro starteten wir diesmal erst gegen 15.00 Uhr. Einen ungeplant einstündigen Aufenthalt gab es beim Denkmal für die Gefallenen der Zelewski-Expedition bei Lugalu. Dort wurde ich von der Mediagroup der Distrikt-Kommissarin von Kilolo überfallen und ausführlich zu meinen Motiven beim Besuch in Tansania befragt. Anschließend musste ich mich als Bekennender, in Afrika geborener Deutscher am "Deutschen-Denkmal" mit jedem der Teilnehmer mehrfach fotografieren lassen. Auch hier wurde ich wieder einmal gebeten, mich doch in Deutschland für Spenden zum Erhalt und zur Pflege des Denkmals und seiner Umgebung einzusetzen.

      
links: Denkmal für die Opfer des Überfalls auf die Zelewski-Expedition, von der Hauptstraße aus leicht zu übersehen; rechts: Gedenktafel mit den Namen der deutschen Opfer des Überfalls

Die Weiterfahrt nach dem auf guter Straße eigentlich zügig erreichbaren Morogoro gestaltete sich dann unerwartet schwierig und zeitaufwändig. Ein umgekippter LKW (Container-Lastzug) auf der vom Iringa-Hochland beidseitig nur einspurig hinabführenden Serpentine war das erste große Hindernis, da die verbliebene Umfahrungsspur gleichzeitig auch von den sich hinaufkämpfenden LKW genutzt werden musste. Ein kurz vor Morogoro umgekippter, leckender Tanklaster verursachte dann noch eine ca. einstündige Vollsperrung der Strecke, sodass wir unser Hotel in Morogoro erst gegen 22.30 Uhr erreichten.


oben: nur ein schmaler Fahrstreifen rechts bleibt jetzt noch für den Verkehr zwischen der Küste und dem Iringa-Hochland

11. Tag: Morogoro - Lushoto (Wilhelmstal)
Morogoro war diesmal für mich nur Zwischenstation auf dem Weg nach Lushoto. Hier übernachtete ich auf Einladung des Managers vom New Savoy Hotel, dem ehemaligen deutschen „Hotel Bahnstation“, unmittelbar am alten Bahnhof. Das Management plante, seine Anlage zu einem Anziehungspunkt für historisch an deutscher Geschichte Interessierte und ganz allgemein für Weltkriegs-interessierte Touristen zu machen. So sprachen wir am Morgen meines 11. Reisetages z.B. über eine mögliche Dauerausstellung im neuen Empfangsbereich des Hotels, für das sich eine umfassende Modernisierung und Erweiterung im Planungsstadium befand.

   
links: altes Bahnhofshotel (Hotel Bahnstation) in Morogoro; rechts: New Savoy Hotel 2016

 
links: Detail des New Savoy Hotel in Morogoro 2016, Rundbögen heute verschlossen; rechts: Postkartenansicht aus deutscher Zeit

Um 11.00 Uhr starteten wir dann nach Lushoto. Es ging zunächst in Richtung Chalinze, dass sich als Verkehrsknotenpunkt durch eine neue ca. acht Kilometer davor gelegene Abfahrt Richtung Norden gut umfahren ließ. Nach ca. 180 Kilometern kündigte sich uns gegen 14.00 Uhr in der Gegend von Manga ein Getriebeschaden an, dem wir nach weiteren ca. 55 Kilometern im Ort Kabuku erlagen. Nach zweistündiger erfolgreicher Reparatur und bei strömendem Regen fuhren wir über Segera und Korogwe zunächst bis Mombo, dass wir um 18.30 Uhr bei Einbruch der Dunkelheit erreichten. Den Aufstieg in die landschaftlich reizvollen Usambara-Berge absolvierten wir nun weitgehend bei Dunkelheit. Beim alten kolonialen LAWNS-Hotel am Ortseingang von Lushoto, dem ehemaligen Wilhelmstal, kamen wir dann nach ca. 360 Kilometern Tagesleistung gegen 19.30 Uhr an. Gutes Essen, eine lange abendliche Unterhaltung mit dem Manager Alessandro zur Geschichte des Hotels, gute Luft und ein durch seine Holzvertäfelung, Dielen und Kamin doch recht deutsch anmutendes Gästezimmer ließen mich hier, nach der Aufregung mit unserem Auto, nun doch noch wunderbar schlafen.

 
links: bei dem heutigen LAWNS-Hotel soll es sich um eine noch von Deutschen errichtete Anlage handeln; rechts: Hof-Ansicht des alten Gebäudes mit Gästezimmern, Bar und Aufenhaltsräumen

12. Tag: Lushoto - Mombo - Korogwe - Tanga
Den Vormittag des 12. Reisetages verbrachten wir mit einem Rundgang in Lushoto, dass noch jetzt eher einem deutschen Bergdorf, als einer Distrikthauptstadt ähnelte. Nach längerem Warten erhielt ich von einem Beamten der Boma die Erlaubnis zum Fotografieren des Gebäudes, welches augenscheinlich an der Fassade vor nicht allzu langer Zeit renoviert worden war.

 
links: das Bezirksamt Wilhelmstal auf einer Ansichtskarte von 1906; rechts: Boma Lushoto 2016

Weitere erhaltene deutsche Gebäude waren, der Hauptstraße von der Boma folgend, linksseitig, die alte Postagentur, einige noch heute als Büros genutzte alte Wohn- und Beamtenhäuser und das ehemalige Restaurant Kegelbahn. Hinter der darauffolgenden Querstraße links befand sich der alte Europäer-Friedhof, der jedoch nur noch mit Gräbern damals verstorbener Kinder belegt war. Gegenüber, auf der rechten Straßenseite, folgten dann weitere ältere Gebäude, die in ihrer Bauart den vorgenannten sehr ähnelten, und daher ebenfalls noch aus der deutschen Zeit stammen könnten. Der bei der Boma beginnenden Ortsumfahrung folgend, konnte man von oben rechterhand ein altes Gebäude mit Turm entdecken, bei dem es sich um das ehemalige Erholungsheim für Eisenbahner handeln könnte. Dieses Gebäude wurde jetzt privat genutzt.

 
links: damals wie heute Postagentur und Bank in Lushoto (Wilhelmstal) im Jahr 2016; rechts: ehemaliges Restaurant Kegelbahn

 
oben: Bilder vom Europäer-Friedhof im alten Ortszentrum

 
oben: vielleicht das alter Erholungheim der Eisenbahner


oben: typischer Kolonialbau in Lushoto (hier direkt gegenüber vom alten Friedhof)


Um 12.00 Uhr begaben wir uns auf die Rückfahrt nach Mombo, wo wir die alten, noch aus deutscher Zeit stammenden Bahnhofsanlagen besichtigten. Eine weitere, mit zahlreichen alten Fotografien durchgeführte Spurensuche entlang der alten, der neuen Haupt- und einiger Nebenstraßen blieb leider erfolglos.


oben: Bahnstation Mombo 2016, heute ohne Bahnverkehr

 
links: Detail der Bahnstation Mombo 2016, Räume dienen als Lager und zu Wohnzwecken;
rechts: alte Brücke, hier verlief ursprünglich einmal die Hauptstraße durch Mombo


Um 14.45 Uhr begaben wir uns dann auf die Weiterfahrt Richtung Tanga. Aufgrund der Strapazen der letzten Tage entschied ich mich nun gegen den geplanten Abstecher nach Handeni und für einen Besuch des alten Karawanenknotenpunktes und Eisenbahnortes Korogwe. In dem unweit des heutigen Korogwe gelegenen Alt-Korogwe, mit dem alten deutschen Bahnhof, schien nun, abgesehen vom baulichen Zustand der Gebäude, die Zeit stehengeblieben zu sein. An der alten Ortsstraße befanden sich immer noch die kleinen Häuser der indischen Händler. Das am Bahnhof gelegene Hotel und Restaurant erwartete den totalen Zusammenbruch. Die zum Teil recht großen Häuser der Beamten der Eisenbahn und der Plantagenverwaltung in unmittelbarer Umgebung des Bahnhofs wurden noch genutzt, ebenso die vielen kleinen, für die Plantagenarbeiter errichteten Wohnhäuser. Insgesamt war es hier sehr ruhig und es gab kaum Straßenverkehr. Die Hauptverkehrsstraße von der Küste nach Moshi führte nun durch das neue Korogwe. Die Besetzung des Station-Master-Büros hier in Alt-Korogwe und einige hier stehende neuwertige Güterwagen ließen uns aber einen zumindest noch gelegentlichen Frachtverkehr zur Küste oder zu den Plantagen vermuten. Dieser hätte dann aber hier in Korogwe definitiv enden müssen, da die Gleisanlagen Richtung Mombo mehrfach beschädigt und im Jahr 2016 nicht mehr befahrbar waren.

 
links: Bahnstation in (Alt-) Korogwe 2016, kein (regelmäßiger) Zugverkehr;
rechts:
Ehemaliges Hotel und Restaurant am Bahnhof (Alt-) Korogwe 2016


 
oben: alte Unterkünfte der Bahnangestellten

 
oben: Arbeiter-Unterkünfte der Farmen entlang der Hauptstraße in Alt-Korogwe

Nach knapp 280 Tageskilometern erreichten wir die Stadt Tanga diesmal noch vor Einbruch der Dunkelheit, wo ich, wie schon beim letzten Mal, für zwei Nächte Unterkunft im Motel Sea View fand, einem direkt an der ehemaligen Kaiserstraße befindlichen alten Kolonialgebäude, mit Blick auf Hafen und Marinedenkmal.

13. Tag: Tanga
Der 13.Tag galt nun ganz der alten deutschen Hafenstadt Tanga. Am Vormittag stattete ich zunächst dem von mir bereits mit alten Postkartendrucken ausgestatteten URITHI-Museum, dem ehemaligen deutschen Bezirksamt, einen Besuch ab. Dann spazierte ich durch die mir von meinem letzten Besuch vor vier Jahren noch sehr gut bekannte alte Innenstadt, bevor ich am späten Nachmittag, zusammen mit Joel von URITHI, den baulichen Zustand des ehemals deutschen Gouvernements-Krankenhauses auf dem Gelände des heutigen Bombo-Hospitals inspizierte. Es folgte danach noch ein kurzer Ausflug nach Ras Kazone, dem Schauplatz der gescheiterten Invasion der britischen Landungstruppen im November 1914.



Ehemals deutsches Fort ("Alte" Boma) in Tanga 2016, vorn Reste der Bastion


Ruine der alten deutschen Boma (auch Kaserne) in Tanga 2016


Gebäude des ehemals deutschen Bezirksamtes Tanga 2016, heute Urithi-Museum


Seeseite des ehemals deutschen Bezirksamtes ("Neue" Boma) in Tanga 2016


Deutsches Marine-Denkmal in Tanga 2016, mit Blick auf die Bucht von Tanga


Ehemals deutsches Hospital in Tanga 2016, heute baufällig und ungenutzt


14. Tag: Tanga - Pangani - Ushongo (Beach)
Der 1.10.2016, mein 14. Reisetag in Tansania, begann mit einem Besuch der alten evangelischen Missionsstation in Tanga, in der erst kurze Zeit zuvor ein Denkmal zur Erinnerung an die Ankunft der ersten Missionare in Tanga errichtet und durch den Bischof eingeweiht worden war. Die aus privaten deutschen Mitteln finanzierten Denkmal-Inschriften (Platten) waren hier auf bischöfliche Anordnung jedoch schon wieder entfernt worden. Ursache soll ein Streit um die Stammeszugehörigkeit der namentlich aufgeführten, zuerst bekehrten Eingeborenen gewesen sein. Durch deren Erwähnung fühlten sich die Angehörigen einer anderen, erst später bekehrten Volksgruppe derart benachteiligt, dass der Kirche eine Friedensstiftung nur durch Entfernung der Platten möglich schien. Zum Zeitpunkt meines Besuches gab es nun gar keine Hinweise darauf, wofür dieses Denkmal eigentlich steht.
Um 14.00 Uhr starteten wir unsere Weiterfahrt nach Pangani, wo wir nach reichlich einer Stunde ankamen. Nach einem späten Mittagessen erkundeten wir den von mir zuletzt vor 15 Jahren besuchten Ort zu Fuß. Wir spazierten zunächst entlang des Flussufers landeinwärts, inspizierten das ehemals deutsche Hospital, die Reste des auch heute noch von der Distriktverwaltung genutzten ehemaligen deutschen Forts und späteren Bezirksamts und besuchten den Europäer-Friedhof mit den alten deutschen Gräbern. Im östlich der Fährstelle nach Bueni gelegenen alten Inder- und Araberviertel gibt es noch heute viele sehr alte Gebäude. Noch gut zu erkennen ist die hier von den Deutschen angelegte Kanalisation, die an der ebenfalls aus dieser Zeit stammenden befestigten Strandstraße an verschiedenen Stellen in den Fluss mündet. Gerade wiedereröffnet ist das vollständig erneuerte, alte Zollhaus, ein Lagerhaus, das wohl schon vor Ankunft der Deutschen hier existierte und damit schon immer das Bild der Strandpromenade prägte. Ein in unmittelbarer Nähe des Zollgebäudes gelegenes altes Araber-Haus ist renoviert und zum Pangani-Museum ausgebaut worden. Leider war dieses zum Zeitpunkt meiner Ankunft dort nicht geöffnet.



Ehemals deutsche Boma Pangani 2016 (deutsches Bezirksamt), weiter in Nutzung


Eingang zum ehemaligen Bezirksamt Pangani 2016


Ehemals deutsches Hospital in Pangani 2016


Hofansicht des alten Hospitals Pangani 2016, Hauptgebäude ungenutzt


Altes Zollgebäude Pangani, renoviert 2016 und in Nutzung

Mit Einbruch der Dunkelheit setzten wir mit der Autofähre über nach Bueni und benötigten dann bei einer Gesamttagesleistung von nur ca. 100 Kilometern noch eine weitere Stunde bis zur Ankunft im Beach Crab Resort bei Ushongo Beach.
Den Vormittag meines 15. Reisetages verbrachte ich mit einem Strandspaziergang. Der vorgeblich schönste Strandabschnitt an der tansanischen Festlandsküste lädt am Vormittag bei Ebbe nicht überall zum Baden ein. So besuchte ich die zu Fuß etwa 15 Minuten entfernte Beach-Unterkunft THE TIDES, die mir und meiner Frau 15 Jahre zuvor einen traumhaften fünftägigen Aufenthalt geboten hatte. THE TIDES hatte zudem einem Strand, an dem man zu jeder Tageszeit gut baden kann, was ich auch diesmal nutzte. Wie die meisten der von mir besuchten Unterkünfte in Tansania litten auch die am Ushongo-Beach liegenden Strandunterkünfte trotz Hochsaison an einer Besucherflaute. Wohl nicht zufällig hatte dann auch das nach einem Eigentümerwechsel im Vergleich zu den benachbarten Unterkünften extrem teure THE TIDES, trotz Wochenende und herrlicher Anlage mit Swimmingpool, bei meinem Besuch überhaupt keine Besucher. Im Beach Crab zählte ich dagegen neun Gäste.

15. Tag: Ushongo - Saadani (Sadani) - Bagamoyo
Um 13.00 Uhr startete dann unsere Weiterfahrt Richtung Süden nach Saadani. Die Landschaft hier ist hauptsächlich geprägt von Sisalplantagen, deren Anlage ebenfalls auf die deutsche Kolonialzeit zurückgeht. Die Grenze zum Saadani-Nationalpark erreichten wir nach ca. 90 Minuten und mussten dort für die Durchfahrt die Tagesgebühr von rund 60 Euro bezahlen. Nach weiteren ca. 30 Minuten Fahrzeit erreichten wir das Dorf Saadani mit der Ruine der noch Herrmann v. Wissmann errichteten Boma.


Ruine der ehemals deutschen Boma in Saadani (Sadani) 2016


Boma Saadani war Nebenstelle und Zollstation, Detail 2016

Zur Weiterfahrt nach dem für heute als Tagesziel auserkorenen Bagamoyo brachen wir dann gegen 16.45 Uhr auf. Wir erreichten unsere Unterkunft im Firefly im alten Ortskern von Bagamoyo nach insgesamt etwas mehr als 150 Tageskilometern etwa um 18.00 Uhr.

16. Tag: Bagamoyo - Daressalam
In dem von mir schon mehrfach besuchten Bagamoyo beeindruckte mich diesmal besonders die gewählte Unterkunft in einem wohl weitgehend originalgetreu wiedererrichteten alten Araberhaus und dessen Lage am alten Ortskern. Auch das die Rekonstruktion des alten deutschen Bezirksamtes, dass ich noch vor seinem Einsturz 1998 von innen besichtigen konnte, nun tatsächlich seiner Vollendung entgegengeht, freute mich außerordentlich. Auch schien in Bagamoyo eine systematische Sicherung und Erschließung der historischen Gebäudesubstanz für den Tourismus begonnen zu haben.



Altes Fort, Kaserne und alte deutsche Boma in Bagamoyo 2016, heute Teilnutzung


Ehemals deutsches Bezirksamt/ "Neue" Boma Bagamoyo 2016, wird renoviert

Der 16. Tag endete mit Abschluss meiner über 3.800 Kilometer langen Rundfahrt durch Rückkehr an den von Bagamoyo nur noch rund 60 Kilometer entfernten Ausgangspunkt Daressalam, wo ich zwei weitere Tage und meine letzten beiden Nächte bis zum Rückflug verbringen sollte.

17. und 18. Tag: Daressalam


Gebäude der "alten" deutsche Boma in Daressalam 2016, wird zum Museum ausgebaut


Ehemaliges deutsches Bezirksamt ("neue" Boma) in Daressalam 2016, District Council


Ehemals deutsches Postamt Daressalam 2016, Nutzung als Post und Bankgebäude



... wird fortgesetzt!

Weitere historische und aktuelle Bilder von Tanga, Bagamoyo und Daressalam folgen demnächst!

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